Usability für Internetseiten

„Don’t make me think“

Im Zusammenhang mit der Gestaltung von Internetseiten ist häufig von „Usability“ die Rede. Der Begriff heißt übersetzt „Gebrauchstauglichkeit“ oder auch „Benutzerfreundlichkeit“.

Die Präsentation von Inhalten auf Websites lässt mich ein Vergleich mit Leitsystemen an Flughäfen ziehen. Beim Betreten des Flughafengeländes sind alle weiteren Schritte klar und deutlich ausgeschildert. Wegweiser unterstützten durch visuelle Erklärung und führen mich zum richtigen Ticketschalter, das freundliche Bodenpersonal erklärt mir den Weg zur Sicherheitskontrolle und Zollabfertigung. Der weitere Ablauf wird mir ohne Aufforderung erklärt: Haben Sie eine Handy dabei? Arbeiten Sie mit einem Laptop?
Gehe ich dann weiter, werden mir unterschiedliche Waren aus der ganzen Welt im Duty-Free-Shop präsentiert. Bis ich schließlich in meine Maschine steige.

Die Verantwortlichen an Flughäfen haben sich viele Gedanken über die kognitive Aufnahmefähigkeit des Menschen gemacht, und sich dabei an die allgemeingültigen Konventionen gehalten.

Oft verwenden Nutzer im Web wenig Zeit zum Lesen, Sie suchen in der Regel schnell nach bestimmten Informationen. Sie „scannen“ den Text und picken sich gezielt die für sie interessanten Inhalte einer Website heraus. Hierbei erfasst der User lediglich bis zu 50 % des Gesamtinhaltes.
Manche „skimmen“ eher den Text, indem Sie die Überschriften auf der Suche nach einem speziellen Begriff überfliegen. So werden bei dieser Technik nur noch bis zu 30 % des Inhaltes wahrgenommen und verarbeitet.

Was Internet-User als störend und daher als wenig benutzerfreundlich empfinden:

• Zu lange Wartezeiten beim Laden der Seite, bei Downloads und bei Suchergebnissen.
• Seiten, auf denen man sich nur schwer zurechtfindet und sich erstmal einen Überblick verschaffen muss.
• Bilder und Texte, die nicht zueinander passen und nicht das richtige Thema haben.
• Kein klares und aufgeräumtes Design, zu viele Elemente.
• Zu mächtige Bannerwerbung und Animationen, die vom Wesentlichen ablenken.

Besucher einer Website möchten eine einfache und selbsterklärende Bedienung vorfinden. Durch das häufige Surfen im Internet haben User gemeingültige Abläufe kennengelernt und finden sich auf benutzerfreundlichen Seiten schnell zurecht. Intuitive Vorgehensweisen werden durch emotionale Aspekte verstärkt.

Eine „User-Experience“ erreicht man mit folgenden Einsatzmitteln:

Klug eingesetzte Elemente und Formen erhöhen die Aufmerksamkeit des Betrachters. Einsatzmittel sind z. B. intensive Farben, Kontraste und scharfe Konturen. Große Flächen, helle Töne (Pastell) und gedeckte Farben werden als besonders angenehm empfunden. „Eyecatcher“ nimmt der User durch den Einsatz von intensiven Farben (z. B. Gelb, Rot) wahr, starke Kontraste erzeugt man durch das Hinzunehmen von Schwarz. Bewegte Bilder (Animationen) fallen schnell auf. Emotional aufgeladene Details wie Augen, Gesichter o.ä. erhöhen die Aufmerksamkeit. Solche Stilmittel sollten nur sehr überlegt und zum Thema passend eingesetzt werden, sonst verlieren sie Ihre Wirkungskraft. Kein Internetsurfer möchte kognitiv überfordert und verwirrt werden.

Wie sieht denn nun eine benutzerfreundliche Internetseite aus?

Zunächst sollte der Aufbau einer Website klar strukturiert und durch eine einfache und verständliche Menüführung selbsterklärend sein. Eine saubere Programmierung von Websites kann zudem zu schnelleren Ladezeiten führen. Wichtig wäre hier auf die optimierte Formatierung aller Bilddaten zu achten. Verständlich formulierte Headlines tragen zur schnellen Orientierung bei, sie informieren schnell über den Inhalt der Seite. Der Seitenaufbau basiert auf dem Gestaltungsraster der Website. Alle Definitionen von Textgrößen, Schriftarten, Farben, Headlines, Subheadlines, Fließtext, Infoboxen, Navigationen usw. gehören in eine CSS-Datei. Die wichtigsten Informationen eines Textes sollten am Anfang stehen. Im Fließtext folgende, wichtige Begriffe nimmt der Leser als Schüsselreize auf.
Sehr ruhig gehaltene Hintergründe als Flächen oder dezenten Abbildungen lenken nicht von den eigentlichen Inhalten ab und unterstützen das Thema der Website. Schwarzer Text auf weißem Grund erzeugt einen starken Kontrast, die Texte werden dadurch besser lesbar. Auf blinkenden Text im Contentbereich sollte am besten ganz verzichtet werden. Kleine Textpassagen, z.B. in Infoboxes, sollten in einer serifenlosen Standardschriftart definiert werden. Großgeschriebenes (Headlines, Navigation, Informationen hervorheben) nur sparsam verwenden. Ein unterstrichener Text kennzeichnet üblicherweise einen Link. Wird er in einem anderen Kontext angewendet, kann das verwirren.

Beim Aufbau der Navigation gilt es, eine möglichst einfache und nachvollziehbare Struktur anzuwenden. Bei komplexen Navigationsstrukturen unterstützen „Breadcrumbs“ die Orientierung: dem User wird durch eine Textzeile angezeigt, in welchem Bereich der Seite er sich befindet. Bei Themengruppen, die einem jeweiligen Kontext zugeordnet werden, dient ein verschachtelter Aufbau als Navigationshilfe. Dadurch wird die Hierarchie der Website verdeutlicht. Die einzelnen Navigationspunkte müssen für den User eindeutig benannt werden und sollten nicht von den üblichen Konventionen abweichen. Begriffe, die nicht sofort verstanden werden, sorgen für Verwirrung, erhöhen die kognitive Belastung und lenken die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Aufgabe ab.

Da wären wir wieder am Flughafen angelangt: Stellen Sie sich vor, auf dem Hinweisschild „Notausgang“ wäre nicht das Wort „Notausgang“ oder „Exit“ zu lesen. Welch fatale Folgen hätte das in einem Notfall! Ganz so extrem wären die Folgen einer benutzerunfreundlichen Website sicher nicht. Jedoch haben Sie es bei der Gestaltung selbst in der Hand, ob Ihr Besucher zu Ihrem Kunden wird, oder ob er Ihre Website verlässt und woanders einkauft.

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5 Antworten zu Usability für Internetseiten

  1. Andreas Kaminski schreibt:

    Hallo Inga,

    das ist ein sehr interessanter Artikel! Ich werde mal meine eigene Homepage nach deinen Kriterien überprüfen.

    Viele Grüße
    Andreas

  2. eBooksThomas schreibt:

    Hallo, liebe Autorin,
    das musste mal gesagt werden. Kann man sich nicht oft genug vor Augen führen, was Sie schreiben;) Viele Grüße eBooksThomas

  3. Helmut Wichlatz schreibt:

    Liest sich gut und richtig!!! Komme ich beizeiten gerne drauf zurück.

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